Hund als Chance
Dysfunktionale halbe Familien, Kinder auf sich allein gestellt – nein, das ist kein neues Setting im Kinderbuch und kann doch immer wieder aufregend und Resilienz stärkend sein. Neben aller Abenteuerlust sind es die Interaktionen der Menschen, vor allem, wenn ein Könner wie Christian Linker sich der Charaktere annimmt. Till, elf Jahre, hat neben der Care-Arbeit um seinen alkoholkranken Vater auch noch ein Lebewesen zu betreuen: den Irischen Wolfshund Flocke, sein ein und alles. Nachdem der Vater ins Koma fällt, kommt Till in eine betreute Wohngruppe und Flocke bekommt neue Besitzer.
Linker schildert neben allen emotionalen Anforderungen, die über Till hereinbrechen, gerade das Verhältnis zu dem großen Hund so pragmatisch wie liebevoll, so ergreifend wie zunächst auch aussichtlos. Denn wie soll Till je wieder seinen Hund bekommen, wenn er in Obhut bleibt? Die Freundschaft zu dem etwas älteren Pavel, ausgestattet mit Streetcredibility, setzt ein Roadmovie in Gang, das angesichts der Verhältnisse durchaus ein Happy End bietet. Es sind die kleinen raschen Dialoge, die fast durchwegs hilfreichen Erwachsenen, die aus dem „Problembuch“ eine ungeheuer versöhnliche und sympathische, ja: Räuberpistole machen. (…)
Christine Paxmann
Mehr dazu im Eselsohr 07 2026