Esel des Monats



 

 

Der Esel des Monats ist uns inzwischen liebgewonnene Tradition. Seit dem Februar 2008 vergeben wir die Auszeichnung für unser Lieblingsbuch des Monats.

Wir verleihen sie jeweils an ein aus der Menge der Neuheiten herausragendes Buch, auf das sich ein zweiter, dritter, vierter Blick lohnt.

 

 

Der „Esel des Monats“ geht im November an:

 

Anke Bär: Endres, der Kaufmannssohn. Vom Leben in einer mittelalterlichen Hansestadt. Gerstenberg 2014, 64 S., ab 8, € 14,95 (D), € 15,40 (A), SFr 21,30. ISBN 978-3-8369-5774-8

 

Gezeichnete Zeitreise

 

Schon 300 Kilometer südlich einer Hansestadt wird man auf viele Fragezeichen stoßen, wenn man nach der „Hanse“ fragt. Welch kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung die einstigen Handelszentren Europas hatten und wie um sie herum das Leben funktioniert hat, ist somit eine echte Entdeckungsreise. Anke Bär hat wieder einmal eine Doku-Fiction zusammengestellt, bei der sich Zeichnung und Texte zu einem wahren Biopic verdichten. Der fiktive Weg des Kaufmannssohns Endres, der zur Ausbildung von einer Hansestadt in die andere geschickt wird, gerät zur Informationsreise der ganz besonderen Art.

 

Niemals aufdringlich und doch kontinuierlich streut Bär Info ein, die sie höchst vergnüglich mit zeichnerischem Zusatzwissen, aber auch Zusatzwitz anreichert. Auch wenn sie sich der Stilmittel mittelalterlicher Buchmalerei und Miniaturen bedient, bekommt alles seinen besonderen Charme durch eine gewisse Unbeholfenheit und Verschiebung der Proportionen. Dadurch entstehen fast comichafte Tableaus, Bilderrätseln gleich, die man entziffern muss, nein darf, denn immer wieder versteckt Bär reizende Skizzen wie ein hündisch lächelndes Einhorn, „Hieronymus Bosch“-hafte Seeungeheuer mit dem Charme von Sponge Bob und eben einen ausgesprochen sympathischen Protagonisten, der sich in den erhältnissen der damaligen Zeit behaupten muss.

 

So kann Sachbuch sein. Mit einer Identifikationsfigur, die auch heute noch trägt, mit ineinandergreifender Text- und Bildinformation und einer gut durchgeplotteten Geschichte. Das Thema illustriertes Sachbuch bekommt hier auch noch einmal eine Metaebene, denn es vermag zu erzählen, was der Text zugunsten der Verständlichkeit auslässt. Umso wichtiger ist es, Bilderbücher niemals mit kindlich gleichzusetzen. Bilderbücher lesen lernen ist die Voraussetzung, um ein Buch wie Endres, der Kaufmannssohn lesen zu können. Und für dieses Buch ist man nie zu alt.

 

Christine Paxmann

 

 

 

Hier finden Sie die vorangangenen Esel des Monats des aktuellen Jahrgangs.

 

September 2014

September 2014

August 2014

Juli 2014

Juni 2014

Mai 2014

April 2014

März 2014

Februar 2014

Januar 2014

 

Esel des Monats 2013

Esel des Monats 2012

Esel des Monats 2011

Esel des Monats 2010

Esel des Monats 2009

Esel des Monats 2008


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