Esel des Monats




 

 

Der Esel des Monats ist uns inzwischen liebgewonnene Tradition. Seit dem Februar 2008 vergeben wir die Auszeichnung für unser Lieblingsbuch des Monats.

Wir verleihen sie jeweils an ein aus der Menge der Neuheiten herausragendes Buch, auf das sich ein zweiter, dritter, vierter Blick lohnt.

 

 

Die Auszeichnung „Esel des Monats“ geht im Mai an:

 

 

Mats Wahl:Sturmland – Die Reiter. A. d. Schwed. v. Gesa Kunter, Hanser 2016, 368 S., ab 14, € 16,90 (D), € 17,40 (A), SFr 21,90. ISBN 978-3-446-24936-3

Bd. 2: Die Kämpferin. ISBN 978-3-446-25091-8

 

Von Pferden & Drohnen

 

Und noch eine Dystopie. Das Genre scheint nicht müde werden zu wollen. Auch in Sturmland steht eine couragierte junge Frau im Mittelpunkt. Die 16-jährige Elin ist der Liz in Witch Hunter nicht unähnlich (siehe S. 28). Gleich dieser findet sie sich unversehens im Mittelpunkt politischer Intrigen wieder.

 

Mats Wahl hat eine faszinierende Mischung aus Western & SciFi erschaffen. Alle Fans von Firefly dürften dabei gleich ein Bild vor Augen haben: Raumschiff schwebt über fliehender Pferdeherde. Wahl bietet Drohnen über vereinzelten Reitern. Nicht weniger eindrucksvoll in seiner Kombination aus Hightech und Wildwest. Nach einer nicht näher benannten Katastrophe leben die Menschen 50 Jahre in der Zukunft auf dem Lande verstreut. Die regierenden Autoritäten werden als unberechenbar und auch ungerecht wahrgenommen. „My home is my castle“ ist wortwörtliche Realität geworden. Hinter Stacheldraht und Videoüberwachung haben sich die Familien mit ihren Haus- und Nutztieren vor einem grundsätzlich als feindlich empfundenen Umfeld verschanzt. Waffen gehören zum Alltag. Fortbewegung zwischen den Festungen findet nur unter hohen Sicherheitsmaßahmen und hauptsächlich zu Pferde oder im Pferdegespann statt.

 

Mats Wahl enthüllt uns seine Welt nur sehr langsam und zögerlich. Schritt für Schritt und ganz nebenbei, in kleinen und kleinsten Nebensätzen, erfahren wir genau das, was wir zum Verständnis der jeweiligen Szene wissen müssen. Keinen Deut mehr. Großartig! Denn genau daran schwächeln zu viele Zukunftsszenarien: Übererklärung. Zum Teil seitenweise wird die Handlung unterbrochen, um den Leser bei der Hand zu nehmen und in die Besonderheiten der jeweiligen Welt einzuführen. Wie öde. Wahl dagegen lüftet nur langsam den Schleier, der über dem Ganzen liegt. Er lenkt sehr gezielt unseren Blick, und wir erschließen uns die Welt über die Charaktere und ihre Handlungen und Motive. Spannung erwächst dabei auch aus all dem, was ungesagt bleibt. Wahls Schreibe ist wie seine Protagonisten: nüchtern und pragmatisch (auch in Gefühlsdingen), unsentimental und spröde. Die bisher vorliegenden Bände eins und zwei, Die Reiter und Die Kämpferin, bilden den gelungenen Auftakt zu einer Pentalogie, die dem Genre „Dystopie“ auf jeden Fall noch etwas hinzuzufügen hat.

 

Sylvia Mucke

 

 

 

Hier finden Sie die vorangangenen Esel des Monats des aktuellen Jahrgangs.

 

April 2016

März 2016

Februar 2016

Januar 2016

 

 

Esel des Monats 2015

Esel des Monats 2014

Esel des Monats 2013

Esel des Monats 2012

Esel des Monats 2011

Esel des Monats 2010

Esel des Monats 2009

Esel des Monats 2008


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