Esel des Monats



 

 

Der Esel des Monats ist uns inzwischen liebgewonnene Tradition. Seit dem Februar 2008 vergeben wir die Auszeichnung für unser Lieblingsbuch des Monats.

Wir verleihen sie jeweils an ein aus der Menge der Neuheiten herausragendes Buch, auf das sich ein zweiter, dritter, vierter Blick lohnt.

 

 

Der „Esel des Monats“ geht im Juni an:

 

Frank Schmeißer/Jörg Mühle (Illu.): Allein unter Dieben. Meine verrückte Verbrecherfamilie und ich. Fischer Sauerländer 2015, 224 S., ab 11, € 12,99 (D), € 13,40 (A), SFr 19,50. ISBN 978-3-7373-5143-0

 

Mit Anlauf und Popoklatscher

 

Im Klappentext steht: „eine turbulente Ganovenkomödie mit Herz und Hinterlist“. Man könnte auch schreiben: Frank Schmeißer hat den Turbo reingehauen, als er den Plot verdichtet hat, der bei einem anderen Autor eventuell auch noch für Band 2 gereicht hätte. Für den geruhsamen Leser, ja und auch für den Leseeleven ist Allein unter Dieben nichts. Schon deswegen nicht, weil neben der Handlungsrasanz auch jede Menge doppelte Ironieböden eingebaut sind, Anspielungen, Klischees und Raffinessen aus dem Werkzeugkästlein jedes Familientherapeuten.

 

Denn der aufgeweckte 13-jährige Eduard Käsebier entstammt einer eingefleischten Gaunerfamilie. Allerdings hat sich das kriminelle Gen in den Generationen derart verflüssigt, dass Käsebiers ein echter Sozialfall sind. Jeder Taschendieb ist erfolgreicher, alle Hoffnung ruht auf Eduard, der allerdings beschlossen hat, als first Käsebier ever ehrlich zu werden. All seinen heldenhaften Bemühungen zum Trotz gerät er bei dem Versuch derart tief in den Strudel des Verbrechens, dass man schon von Karma sprechen möchte, wären Käsebiers auch nur einen Hauch esoterisch. Sind sie aber nicht, sondern wahlweise von kerniger Einfalt oder bissig wie Chilipaste.

 

Nicht selten möchte man rufen: Nun ist aber genug! Aber das Vergnügen, sich in diese Klamotte zu stürzen, überwindet alle Anflüge von milderndem Lektorat. Der adulte Leser hat vermutlich deutlich mehr von der Gaunerposse als der juvenile, der allerdings auch bestens unterhalten wird, sofern er bereits mit der Muttermilch das intellektuell ein wenig verschriene Trio aus Souveränität, Slapstick und Satire eingesaugt hat.

 

Schmeißer hat sympathisch unperfektes Personal erschaffen. Schablone hin oder her, hier werden Ulk und Komik abgefackelt und der Begriff der Possendichtung feiert fröhliche Urständ.

 

Christine Paxmann

 

 

 

Hier finden Sie die vorangangenen Esel des Monats des aktuellen Jahrgangs.

 

Mai 2015

April 2015

März 2015

Februar 2015

Januar 2015

 

 

Esel des Monats 2014

Esel des Monats 2013

Esel des Monats 2012

Esel des Monats 2011

Esel des Monats 2010

Esel des Monats 2009

Esel des Monats 2008


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