Esel des Monats



 

 

Der Esel des Monats ist uns inzwischen liebgewonnene Tradition. Seit dem Februar 2008 vergeben wir die Auszeichnung für unser Lieblingsbuch des Monats.

Wir verleihen sie jeweils an ein aus der Menge der Neuheiten herausragendes Buch, auf das sich ein zweiter, dritter, vierter Blick lohnt.

 

 

Der „Esel des Monats“ geht im August an:

 

Lilli Thal: Die Puppenspieler von Flore. Gerstenberg 2015, 480 S., ab 14, € 19,95 (D), € 20,60 (A), SFr 25,30. ISBN 978-3-8369-5801-1

 

Tanz auf dem Vulkan

 

Lilli Thal nimmt sich Zeit für ihre Art, Geschichten zu erzählen: kunstvoll, mit starken Metaphern, mit großartigen Charakteren. Ihr neuester Roman spielt in einer zersplitterten Welt, in der das mächtige Corona gegen das erstarkende Flore Krieg anzetteln will. Dafür werden 16-jährige Schulabgänger gekidnappt und instrumentalisiert. Als sogenannte Mimikry-Rekruten sollen sie nach sechs Monaten Ausbildung den Feind infiltrieren. Dazu gehören militärischer Drill, Abschottung von der Gesellschaft, Gehirnwäsche; Diktaturen wie das Nazi-Reich oder Nordkorea standen Pate. Sport, Leistung, Uniformität, unbedingter Gehorsam und Patriotismus – dazu soll sich auch eine Gruppe von Jugendlichen (vier Jungs, zwei Mädchen) bekennen; aus der Perspektive von Tamaso wird erzählt.

 

Die Infiltration gelingt, die jungen Agenten (inzwischen ein eingeschworenes Team) schleusen sich selbst in machtvolle Haushalte ein; geführt werden sie von einem Corona-Offizier, der als Totenwächter incognito unter den Florern lebt. Lilli Thal nimmt uns mit an die psychischen Belastungsgrenzen der Rekruten; grausame, unter die Haut gehende Szenen gehören dazu. Mit dem Team erleben wir Verzweiflung und Trauer, aber auch den Willen, sich zu befreien, Freundschaft und Liebe. Besonders perfide ist die Umgebung Tamasos: Im Haus des Marschall Utuk, Chef des Geheimdienstes, entwickeln die betrogene Ehefrau und der vom Vater verstoßene Sohn kunstvollstes Puppentheater, während im Keller Staatsfeinde zu Tode gequält werden. Das Spiel verwebt sich mit der realen Welt, Akt für Akt entfaltet sich die parallel erzählte Handlung, an deren Ende sich Frau Utuk und Sohn als Gegner des Regimes entpuppen.

 

Der komplexe Roman ist dramatisch, spannend, menschlich. Er hakt sich in uns fest – am liebsten würden wir unser Leseerlebnis sofort mit jemandem teilen. Hervorragend!

 

Heike Brillmann-Ede

 

 

 

 

Hier finden Sie die vorangangenen Esel des Monats des aktuellen Jahrgangs.

 

Juli 2015

Juni 2015

Mai 2015

April 2015

März 2015

Februar 2015

Januar 2015

 

 

Esel des Monats 2014

Esel des Monats 2013

Esel des Monats 2012

Esel des Monats 2011

Esel des Monats 2010

Esel des Monats 2009

Esel des Monats 2008


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