Esel des Monats



 

 

Der Esel des Monats ist uns inzwischen liebgewonnene Tradition. Seit dem Februar 2008 vergeben wir die Auszeichnung für unser Lieblingsbuch des Monats.

Wir verleihen sie jeweils an ein aus der Menge der Neuheiten herausragendes Buch, auf das sich ein zweiter, dritter, vierter Blick lohnt.

 

 

Die Auszeichnung „Esel des Monats“ geht im Februar an:

 

 

José Manuel Mateo/Javier Martínez Pedro (Illu.): Migrar – Weggehen. A. d. Span. v. Ilse Layer, Edition Orient 2015, 20 S., ab 8, € 28,90. ISBN 978-3-922825-90-6

 

Bilder einer Flucht

 

Tausende Erwachsene, Kinder und Familien machen sich jedes Jahr auf den lebensgefährlichen Weg von Süd- und Mittelamerika in Richtung USA. Voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dass die massenhafte Flucht vor Armut, Hunger und/oder Krieg schon immer ein Teil unserer Geschichte war, wissen wir nicht erst seit den Bürgerkriegen im Nahen Osten. Im Wimmelbuch Migrar – Weggehen begleiten wir nun einen namenlosen Jungen, der gemeinsam mit seiner Mutter und Schwester die mexikanische Heimat verlässt, um den Vater zu suchen. Der war der Familie vor längerer Zeit vorausgegangen, um in den Staaten Glück und Arbeit zu finden. Doch bald blieben die monatlichen Zahlungen aus und die Familie drohte zu verhungern.

 

In wenigen Zeilen und eher sachlichem Ton lässt Autor José Manuel Mateo den Jungen von den Stationen der anstrengenden Reise erzählen – auf einer Seite in Deutsch, auf der anderen in Spanisch. Daneben dokumentieren die zum Leporello ausklappbaren Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Javier Martínez Pedro den Weg der Familie vom mexikanischen Dorf bis hin nach Los Angeles – und lehnen sich damit bewusst an die Tradition der aztekischen Bilderhandschriften an. Scheinbar kindlich-naiv und ohne auf Proportionen oder Perspektiven Rücksicht zu nehmen, reiht sich hier ein zum Bersten voll gestaltetes Bild an das nächste. Allerdings täuschen die an Wimmelbücher für kleine Kinder erinnernde Gestaltung der Bilder und der schlichte Text nicht über den Tiefgang hinweg, den die Story auf den zweiten Blick für ältere Leser bereithält: „Ich hatte Angst, dass sie uns schnappen würden, denn wenn sie einen fangen, verschwindet man …“, erzählt der Junge an einer Stelle. Am Schluss hat die Familie den Vater zwar (noch) nicht gefunden, dennoch blicken die drei trotz Enttäuschung und Heimweh nach vorne und hoffen auf einen Neuanfang.

 

Heike Byn

 

 

Hier finden Sie die vorangangenen Esel des Monats des aktuellen Jahrgangs.

 

Januar 2016

 

Esel des Monats 2015

Esel des Monats 2014

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Esel des Monats 2010

Esel des Monats 2009

Esel des Monats 2008


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